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Tullamore D.E.W.: Der Triple Blend aus County Offaly

Mitten in Irland, fernab der Atlantikküste und des Trubels von Dublin, liegt die Marktstadt Tullamore in County Offaly. Ein unwahrscheinlicher Ursprungsort für einen Whiskey, der heute in mehr als hundert Märkten weltweit verkauft wird, doch Tullamore D.E.W. hat den Namen dieser Stadt bis nach Boston und Bangkok getragen. Anders als Single-Malt-Häuser, die ihre Identität auf einen einzigen Spirituosenstil gründen, baute Tullamore seinen Ruf auf einer bewussten Mischung aus drei Whiskeytypen auf, einer Technik, die zu seinem Markenzeichen wurde.

Eine Brennerei am Grand Canal

Die Geschichte beginnt 1829, als Michael Molloy in Tullamore eine Brennerei gründete. Die Lage der Stadt war kein Zufall: Der Grand Canal, der Dublin mit dem Fluss Shannon verband, führte direkt durch Tullamore und bot der Brennerei damit einen praktischen Weg, um Getreide anzuliefern und Fässer zu verschicken. Das Ackerland von Offaly lieferte die Gerste, der Kanal die Anbindung an den überregionalen Handel. Für eine Brennerei des neunzehnten Jahrhunderts war diese Kombination aus landwirtschaftlichem Umland und Transportanbindung entscheidend, und sie erlaubte der Brennerei in Tullamore, in den folgenden Jahrzehnten stetig zu wachsen.

Daniel E. Williams und die Initialen auf dem Etikett

Der Name, der am engsten mit der Identität der Marke verbunden ist, lautet Daniel E. Williams. Er kam in den 1870er-Jahren als junger Angestellter in die Brennerei und stieg später zum Geschäftsführer und schließlich zum Eigentümer auf. Seine Initialen, D.E.W., wurden dem Whiskeynamen hinzugefügt, was der Marke zugleich eine persönliche Unterschrift und ein passendes Wortspiel mit dem englischen Wort für Tau verlieh. Williams wird allgemein die Modernisierung des Brennereibetriebs zugeschrieben sowie die Erweiterung seiner Reichweite über den lokalen Markt hinaus, wodurch der Whiskey in den Jahrzehnten um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert eine breitere Verteilung in Irland und im Ausland erhielt.

Was Triple Blend wirklich bedeutet

Tullamore D.E.W. wird häufig als Triple Blend beschrieben statt schlicht als Blended Whiskey, und dieser Unterschied ist bedeutsam. Die irische Whiskeyproduktion stützt sich traditionell auf einige unterschiedliche Spirituosentypen: Malt Whiskey aus gemälzter Gerste, gebrannt in Pot Stills; Single Pot Still Whiskey aus einer Mischung von gemälzter und ungemälzter Gerste, ebenfalls in Pot Stills; sowie Grain Whiskey, überwiegend aus Mais oder Weizen in kontinuierlichen Column Stills gebrannt, der tendenziell leichter und weicher ausfällt. Ein Triple Blend vereint alle drei dieser Spirituosentypen miteinander, statt sich wie ein gewöhnlicher Blend nur auf ein oder zwei zu stützen. Dieser mehrschichtige Ansatz soll einen Whiskey ergeben, der geschmeidig und zugänglich ist, dabei aber den Charakter der Pot-Still-Produktion bewahrt, und er gehört seit Langem zu den Mitteln, mit denen sich die Marke von Single-Malt-Scotch und vielen anderen irischen Blends abhebt.

Eine Binnenlandausnahme in einer Küstengeschichte

Irischer Whiskey als Kategorie wird nicht allein durch Geografie definiert, sondern durch Gesetz: Um den Namen tragen zu dürfen, muss ein Whiskey auf der Insel Irland gebrannt und mindestens drei Jahre lang in Holzfässern gereift sein, in der Regel in einem Zolllager. Diese gesetzliche Untergrenze gilt für eine Brennerei an der Atlantikküste ebenso wie für eine tief im Landesinneren, und sie erklärt teilweise, warum die Binnenlage von Offaly innerhalb der weiteren irischen Whiskeylandschaft eigentlich gar nicht ungewöhnlich ist. Irlands Whiskeyerbe erstreckt sich über Küstengrafschaften wie Cork und Antrim ebenso wie über Binnengrafschaften wie Offaly, und die Lage von Tullamore erinnert nützlich daran, dass die Geschichte des irischen Whiskeys immer ebenso sehr von Kanälen, Ackerland und Marktstädten handelte wie von Küstenlinien und Häfen. Die dreijährige Mindestreifezeit betrifft auch einen Triple Blend wie Tullamore D.E.W. unmittelbar, denn jede der drei Bestandteil-Spirituosen, Grain, Malt und Pot Still, muss dieselbe Reifeanforderung eigenständig erfüllen, bevor sie zum fertigen Blend vermählt werden.

Niedergang, Schließung und ein langes Exil aus der Heimat

Die Brennerei in Tullamore überstand die schwierigen Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts für den irischen Whiskey nicht. Die irische Unabhängigkeit, Handelsstörungen, die Prohibition in den Vereinigten Staaten und schrumpfende Exportmärkte setzten der irischen Brennindustrie insgesamt zu, und zahlreiche traditionsreiche Brennereien schlossen ihre Tore. Die ursprüngliche Brennerei in Tullamore stellte 1954 den Betrieb ein. Jahrzehntelang überlebte die Marke Tullamore D.E.W. danach nur noch als Name: Der Whiskey selbst wurde anderswo gebrannt, in Lizenz produziert unter Nutzung von Beständen und Fachwissen anderer irischer Brennbetriebe, während die Stadt Tullamore selbst über keine eigene, aktive Brennerei mehr verfügte. Es ist ein vertrautes Muster in der Geschichte des irischen Whiskeys, dass Markennamen die Gebäude und Brennanlagen überdauerten, die sie ursprünglich hervorgebracht hatten.

Eigentümerwechsel und der Weg zurück nach Tullamore

In den folgenden Jahrzehnten wechselte die Marke Tullamore D.E.W. mehrfach den Eigentümer, während sich die irische Whiskeyindustrie zunächst konsolidierte und später allmählich erholte. Cantrell & Cochrane und später die C&C Group hielten die Marke über einen erheblichen Zeitraum, ehe sie 2010 von William Grant & Sons übernommen wurde, dem schottischen Familienunternehmen, das bereits für seine Scotch-Whisky-Marken bekannt war. William Grant & Sons verpflichtete sich, dem Whiskey eine echte Heimat zurückzugeben, und so entstand in Tullamore selbst eine neue Brennerei, die 2014 eröffnet wurde. Zum ersten Mal seit sechs Jahrzehnten konnte Tullamore D.E.W. wieder in jener Stadt gebrannt werden, deren Namen es trägt, womit sich ein langer Kreis in der Geschichte der Marke schloss.

Tullamore heute: Besucherzentrum und globale Reichweite

Das heutige Tullamore verbindet sein Whiskeyerbe mit einer lebendigen Besucherwirtschaft. Das alte Zolllagerhaus im Stadtzentrum dient heute als Besucherzentrum, das die Geschichte des Whiskeys, des Kanalhandels und der Rolle der Familie Williams im Unternehmen erzählt und den Besuchern einen Eindruck von den Ursprüngen der Brennerei im neunzehnten Jahrhundert vermittelt, auch wenn die eigentliche Produktion heute in der neueren Anlage stattfindet. Über den Whiskey hinaus ist Tullamore lokal auch für seinen georgianischen Marktstadtcharakter bekannt sowie für den Hafen am Grand Canal, der einst die Handelswirtschaft der Stadt trug und der bis heute im Stadtbild sichtbar ist. Für Reisende, die sich für irischen Whiskey im weiteren Sinne interessieren, bietet Tullamore damit einen Kontrastpunkt zu den bekannteren Küstenstädten des Landes: eine Binnenstadt, deren Wohlstand einst vom Kanaltransport von Getreide und Fässern abhing und deren Brennereigeschichte eng mit dem landwirtschaftlichen Hinterland von Offaly verwoben bleibt. Wirtschaftlich zählt Tullamore D.E.W. weiterhin zu den meistverkauften irischen Whiskeys der Welt, vertrieben in einer sehr breiten Palette internationaler Märkte, und die Marke verankert ihre Identität nach wie vor in County Offaly und in der Triple-Blend-Methode, die sie von Anfang an auszeichnete. Der anhaltende globale Erfolg der Marke hat, zusammen mit der breiteren Wiederbelebung des irischen Whiskeys in den vergangenen zwei Jahrzehnten, dazu beigetragen, diesen Winkel der irischen Mitte im Blick zu behalten, eine Gegend, die lange eher für Landwirtschaft und Torfmoore bekannt war als für Spirituosenproduktion.

Auf der Karte

Tullamore liegt im Landesinneren von County Offaly und erinnert daran, dass Irlands Whiskeygeschichte sich nicht auf die Küste beschränkt. Wer sehen möchte, wie sich diese Brennerei neben den übrigen Whiskeyproduzenten des Landes einordnet und wie sich der irische Whiskey geografisch mit Brenntraditionen andernorts vergleicht, findet auf der Karte das vollständige Bild, Region für Region.