ABV vs. Proof: Wie man ein Spirituosenetikett liest
Jedes Spirituosenetikett gibt den Alkoholgehalt an. Im Großteil der Welt heißt das "ABV" — Alcohol By Volume, als Prozentsatz. In den USA werden beide gezeigt, ABV und "Proof". Die zwei Skalen sind einfach verknüpft — doch das Verständnis verrät viel darüber, wie eine Spirituose hergestellt wird.
ABV
ABV — Alcohol By Volume — ist der volumetrische Ethanolanteil in der Flasche. Eine 40-%-vol.-Spirituose ist 40 % reines Ethanol und 60 % Wasser (plus winzige Aromaverbindungen). 40 % vol. ist das globale gesetzliche Minimum für die meisten Spirituosenkategorien — Scotch muss mit 40 % oder mehr abgefüllt werden; Bourbon ebenso; Gin Minimum 37,5 % in der EU, 40 % in den USA.
Proof
"Proof" ist das ältere amerikanische Maß: ABV × 2. Also 40 % vol. = 80 Proof; 50 % = 100 Proof. Der Begriff stammt von einem Test aus dem 17. Jahrhundert: Spirituose wurde auf Schießpulver gegossen und entzündet. Wenn das Pulver brannte, war die Spirituose stark genug (der Wasseranteil niedrig genug). Die Mindeststärke, bei der dies geschah, wurde im UK als "100 Proof" definiert (was 57,15 % vol. entspricht). Die USA vereinfachten die Skala später zu "200 Proof = reiner Alkohol", so dass US-Proof exakt doppelt so groß wie der ABV ist.
UK-Proof (historisch)
UK-Proof — bis 1980 verwendet — war eine andere Skala: 100 UK-Proof = 57,15 % vol. Das US-System nutzt 100 Proof = 50 % vol. "Imperial Pint of 100 Proof Rum" bedeutete historisch 57,15 % vol. — viel stärker als der moderne amerikanische 100 Proof. Das UK gab das Proof-System 1980 offiziell auf, aber der Begriff "Navy Strength" (etwa 57 % vol.) bewahrt die historische Bedeutung.
Was hoher ABV tatsächlich bedeutet
Eine 40-%-vol.-Flasche wurde aus Fassstärke (typisch 60-65 % bei Befüllung, in kühlen Klimaten über Jahrzehnte sinkend) verdünnt. Bei der Abfüllung wird Wasser zugegeben, um die Spirituose auf die Zielstärke zu bringen. Der Kompromiss: 40 % ist leichter zu trinken, zugänglicher; höhere Stärke bewahrt mehr Aromendichte (und mehr Fasscharakter).
Fassstärke
"Fassstärke" oder "Barrel Proof" bedeutet, dass die Spirituose mit der natürlichen Stärke aus dem Fass abgefüllt wird — ohne Wasserzugabe. Fassstärke-Abfüllungen liegen typisch bei 50-65 % vol. Stagg Jr. (Buffalo Trace) oft um 65 %; Aberlour A'Bunadh um 60 %; Booker's Bourbon 60-65 %; Macallan Cask Strength etwa 58 %. Der Trinker kann nach Geschmack Wasser zugeben; die Flasche hat maximale Aromendichte.
Bottled in Bond
Eine speziell amerikanische Kategorie: "Bottled in Bond"-Whiskey muss exakt 100 Proof (50 % vol.) sein, mindestens 4 Jahre gereift, aus einer Brennsaison einer Destillerie und unter staatlicher Aufsicht abgefüllt. Der Bottled-in-Bond Act von 1897 war eines der ersten US-Verbraucherschutzgesetze.
Navy Strength
"Navy Strength" — historisch 57,15 % vol. im UK-System — wird für Gins (Plymouth Navy Strength, Hayman's Royal Dock, Sipsmith V.J.O.P.) und manche Rums verwendet. Historischer Kontext: Rum der britischen Royal Navy, neben Schießpulver gelagert, musste stark genug sein, um, wenn er auf das Pulver verschüttet wurde, das Brennen des Pulvers nicht zu verhindern.
Das Etikett lesen
Eine Bourbonflasche sagt "100 Proof" — das ist 50 % vol. Eine Scotch-Flasche sagt "43 % vol." — das ist 86 US-Proof. Eine "Fassstärke"- oder "Barrel Proof"-Flasche ist unverdünnt aus dem Fass. Eine "Bottled in Bond"-Flasche ist exakt 50 % vol. Jetzt wissen Sie, was die Zahlen bedeuten.
Plane deine nächste Tour
Der gesetzliche Mindest-ABV variiert nach Kategorie und Land. Die interaktive Karte zeigt, wo jede Kategorie produziert wird; die Etiketten verraten den Rest.