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Irische Whiskey-Dreifachdestillation erklärt

Irland war einmal die Whiskyhauptstadt der Welt. Im späten 19. Jahrhundert exportierten irische Destillerien mehr Whiskey als jede andere Nation; Dublin war das Herz einer globalen Spirituosenindustrie, und Namen wie Jameson, Powers und Bushmills dominierten internationale Märkte. Dann kamen Prohibition, Unabhängigkeitskrieg, Handelsembargos und die Konkurrenz aus Schottland – und bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die irische Whiskeytradition auf ein Häuflein Überlebender reduziert. Heute erlebt sie eine der bemerkenswertesten Industrie-Renaissancen der Spirituosenwelt. Und im Zentrum des irischen Stils steht ein Produktionsverfahren, das – mehr als alles andere – den Charakter dieser Spirits definiert: die dreifache Destillation.

Die Destillation ist der Kern jeder Whiskyproduktion. Fermentierter Getreidebrei wird erhitzt, der Alkoholdampf aufgefangen, kondensiert und als Rohbrand aufgefangen. Bei der schottischen Pot-Still-Produktion geschieht dies in der Regel zweimal: ein erster Durchlauf (Wash Still) und ein zweiter (Spirit Still). Irland geht traditionell einen Schritt weiter und destilliert ein drittes Mal – und dieser dritte Schritt hat weitreichende Konsequenzen für das Endprodukt.

Was die dritte Destillation bewirkt

Jeder Destillationsgang reinigt das Destillat weiter: Er entfernt schwere Verbindungen, Fuselöle und charakterstarke, aber potenziell unerwünschte Aromastoffe. Gleichzeitig erhöht er den Alkoholgehalt. Nach drei Destillationsgängen ist ein irischer Pot-Still-Whiskey oder Single Malt deshalb reiner, leichter und weicher als ein vergleichbares zweifach destilliertes Destillat.

Diese Weichheit ist kein Zufall und kein Mangel – sie ist eine bewusste stilistische Entscheidung, die irischen Whiskey in seiner klassischen Form zugänglicher, sanfter und für ein breites Publikum ansprechender macht. Der berühmte irische "Smoothness" hat hier seinen Ursprung.

Die dritte Destillation erhöht auch den Alkoholgehalt am Ende des Destillationsprozesses auf typischerweise 80 bis 85 Prozent – höher als das, was zwei Durchgänge in schottischen Pot Stills erzeugen. Um auf den Einlagerungsalkohol von maximal 73,5 Prozent (vorgeschrieben durch das Irish Whiskey Technical File) zu kommen, muss dann Wasser zugesetzt werden.

Die irischen Destillerielegenden

Jameson in Dublin – offiziell produziert in der Midleton Distillery in County Cork, die seit 1975 als einzige verbliebene Produktionsstätte des Konzerns dient – ist das bekannteste Gesicht des dreifach destillierten irischen Blends. Das Bow Street-Besucherzentrum in Dublin ist eine der meistbesuchten Attraktionen der Hauptstadt, doch die eigentliche Produktion findet in der New Midleton Distillery in Cork statt.

Teeling Whiskey, 2012 in Dublin gegründet, war die erste neue Destillerie, die in über hundert Jahren in Dublin eröffnet wurde. Das Unternehmen der Brüder Jack und Stephen Teeling hat den dreifach destillierten Stil neu interpretiert, oft mit ungewöhnlichen Fassfinishings und einem Fokus auf Innovation innerhalb der Tradition.

The Spot-Whiskys – Green Spot, Yellow Spot, Red Spot und Blue Spot – werden von Midleton produziert und auf ursprünglichen Weinhandelsinstitutionen zurückgeführt. Green Spot ist ein besonderes Beispiel für Pure Pot Still Whiskey, eine genuine irische Kategorie: hergestellt aus einer Mischung aus gemälzter und ungemälzter Gerste in einer Pot Still. Dieses Verfahren ist fast ausschließlich irisch und verleiht dem Whiskey eine cremige, ölrige Textur und eine charakteristische Würze.

Pure Pot Still: Eine irische Spezialität

Der Pure Pot Still Whiskey (in neuerer Terminologie auch "Single Pot Still" genannt) ist eine der eigenartigsten und am meisten unterschätzten Whiskykategorien der Welt. Er wird aus einem gemischten Maish aus gemälzter und ungemälzter Gerste hergestellt und ausschließlich in Pot Stills dreifach destilliert. Die ungemälzte Gerste verleiht eine charakteristische Würze und eine ölige Textur, die durch die dreifache Destillation elegant geglättet wird.

Redbreast, einer der bekanntesten Single Pot Still-Whiskys, wird ebenfalls bei Midleton produziert. Redbreast 12 Jahre alt ist oft der Einstiegspunkt für Liebhaber des Stils – reich, cremig, würzig, mit Noten von Trockenfrüchten und Gewürzen. Redbreast 15, 21 und Lustau (gereift in Ex-Sherryfässern) zeigen die Bandbreite des Stils.

Bushmills: Der Norden und sein Single Malt

Im Norden Irlands in County Antrim liegt Bushmills – angeblich die älteste lizenzierte Destillerie der Welt mit einer königlichen Lizenz aus dem Jahr 1608 (obwohl diese frühe Lizenz nicht spezifisch auf Bushmills als Ort bezogen war). Bushmills ist für seinen Single Malt bekannt – irisch, dreifach destilliert, mit einem typisch leichten, fruchtigen Profil. Der Bushmills 10 Jahre alt ist ein Klassiker des irischen Single Malts.

Die Craft-Renaissance

Heute zählt Irland mehr als 40 Destillerien – eine dramatische Zunahme gegenüber den drei, die noch in den frühen 2010er Jahren aktiv waren. Produzenten wie Waterford Distillery in Waterford, Dingle Distillery auf der Kerry-Halbinsel und Clonakilty Distillery in West Cork bringen neue Stile und Terroir-Ansätze in die irische Whiskeywelt.

Wer diese Renaissance hautnah erleben und die wachsende Zahl irischer Destillerien auf einer Karte erkunden möchte, findet auf der Brennereikarte eine umfassende und aktuelle Übersicht.

Die Zukunft des irischen Whiskeybooms

Irlands Whiskey-Renaissance ist eine der Erfolgsgeschichten der globalen Spirituosenbranche. Mit authentischen Stilen, dem Alleinstellungsmerkmal der dreifachen Destillation, einer wachsenden Craft-Szene und einem touristischen Ökosystem, das Besucher aus aller Welt anzieht, ist Irland auf einem klaren Aufwärtskurs. Der Whiskey des grünen Inselstaats ist nicht mehr das Schatten des schottischen – er ist eine eigenständige, stolze und zukunftsgewandte Kategorie.