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Die 10 besten Destillerien in der Slowakei

Die Slowakei ist ein kleines Land mit einer bedeutenden Brennereitradition. Zwei Spirituosen stehen im Zentrum dieser Kultur: Slivovitz, der Pflaumenschnaps slowakischer Prägung, und Borovicka, ein Wacholderschnaps, der häufig mit Gin verglichen wird, aber eine eigenständige osteuropäische Identität besitzt. Borovicka ist in der Slowakei so eingebürgert, dass er als inoffizieller Nationalschnaps gilt; er wird aus Wacholdersaft, Wacholderbeeren oder einer Kombination beider hergestellt und erreicht typischerweise 40 bis 55 Prozent Alkohol.

Neben diesen traditionellen Kategorien entstehen in der Slowakei zunehmend Craft-Brennereien, die mit importierten Rohstoffen Whisky und Gin produzieren oder regionale Botanika in neue Kontexte setzen. Für eine Übersicht aller slowakischen Destillerien besuchen Sie unsere Karte.

1. St. Nicolaus Distillery, Liptovsky Mikulas

St. Nicolaus ist die bekannteste kommerzielle Destillerie der Slowakei und wurde 1867 in Liptovsky Mikulas in der Region Liptau gegründet. Das Unternehmen produziert mehrere Borovicka-Linien sowie Slivovitz, Grappa-ähnliche Obstbrände und Liköre. Die Flagship-Borovicka Old Herbal ist eine Kräutervariante mit zwölf slowakischen Alpenplanzen und wird in alten Eichenholzfässern aus der Tatra-Region gereift. St. Nicolaus ist der größte Exporteur slowakischer Spirituosen und in über 20 Ländern vertreten.

2. Spis Distillery, Kezmarok

In der historischen Zipser Stadt Kezmarok am Fuß der Hohen Tatra betreibt die Familie Harminc die Spis Distillery, eine 1991 gegründete Familienbrennerei mit Spezialisierung auf Obstsorten der Tatra-Ausläufer. Ihr Hauptprodukt ist ein Slivovitz aus slowakischen Zipser Pflaumen, die in den Lagen zwischen 600 und 900 Metern angebaut werden und durch die kürzere Reifezeit intensivere Aromadichte entwickeln. Spis produziert außerdem einen Birnen-Williams-Schnaps und einen Hagebutten-Likör aus wilden Karpatenfrüchten.

3. Rudolf Jelinek Slovakia, Kooperationsproduktion

Das tschechische Unternehmen Rudolf Jelinek, seit 1894 führender Slivovitz-Produzent in der tschechisch-mährischen Region, hat historisch enge Produktionsverbindungen mit slowakischen Lieferanten aufgebaut, die Zwetschgen und erste Destillate zuliefern. Einige der unter dem Jelinek-Label vermarkteten slowakischen Abfüllungen kommen aus dem Trenciner Gebiet nahe der tschechischen Grenze, wo alte Zipser und Mährertraditionen sich mischen. Jelinek-Slivovitz aus slowakischem Pflaumeninput ist ein Beispiel für die grenzüberschreitende Produktionskultur des Donauraums.

4. Dynybyl Spirits, Bratislava

Dynybyl Spirits in Bratislava ist ein Craft-Brenner der neuen Generation, 2016 von zwei ehemaligen Bierstudenten gegründet. Das Unternehmen produziert einen Bratislava Gin mit Wacholder aus slowakischen Wäldern, Lindenblüten vom Donauufer und Bienenhonig aus dem Kleinen Karpaten-Gebirge. Dynybyl nutzt einen kleinen Hybrid-Still aus Kupfer und Glas, der sowohl Pot-Still- als auch Vapour-Infusion-Methoden ermöglicht. Die Produktion ist sehr klein – maximal 2.000 Flaschen pro Batch – und wird hauptsächlich über Bratislaver Bars und den Webshop vermarktet.

5. Karpatske Destileria, Poprad

Karpatske Destileria in Poprad, der Tor-zur-Tatra-Stadt, hat sich auf Gebirgskräuter-Liköre und Schnäpse spezialisiert, die auf traditionellen Tatra-Rezepturen basieren. Ihr Tatransky Caj – Tatra-Tee-Likör – ist ein heiß getrunkener Kräuterlikör aus Bergkräutern, Zitronenverbene und Wacholder, der in Skigebieten der Region als Warming-Drink Kultstatus genießt. Die Destillerie produziert außerdem einen Enzian-Schnaps aus wildem Gelben Enzian der Tatra-Ausläufer, einem geschützten Rohstoff, der nur mit spezieller Genehmigung geerntet werden darf.

6. Trencan Distillery, Trencin

Die Trencan Distillery in der Burgstadt Trencin ist die jüngste Craft-Brennerei der westlichen Slowakei, 2020 in einem renovierten Mittelalter-Malzhaus eröffnet. Gründer Jakub Polak produziert einen Single-Malt-Whisky aus slowakischer Gerste, der in kleinen 50-Liter-Fässern gereift wird. Die ersten dreijährigen Fassabfüllungen wurden 2023 auf dem Markt gebracht und von slowakischen Spirituosenjournalisten als erstaunlich komplex für ihr Alter bewertet. Trencan experimentiert außerdem mit Roggen-New-Make, der für zukünftige Whisky-Releases bestimmt ist.

7. Lipa Distillery, Banska Bystrica

Lipa Distillery in Banska Bystrica, der zentralslovakischen Kulturhauptstadt, produziert eine besondere Spezialität: Lindenblüten-Gin aus frischen Blüten der Sommer-Linde, die in den Stadtwäldern und Bergregionen der Umgebung geerntet werden. Destilliert wird direkt nach der Ernte im Juni, wenn die Blüten ihr maximales aromatisches Potential haben. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich blumiger Gin mit Heu-, Vanille- und Teenotizen, der ohne herkömmliche Juniper-Dominanz auskommt und mehr in Richtung Floral-Spirits geht.

8. Rača Spirits, Bratislava

In Raca, einem Weinvorort von Bratislava, der für seine Weißweine aus Gruner Veltliner und Welschriesling bekannt ist, produziert die Kellerei Raca auch Traubentrester-Destillate nach mährischer Tradition. Der Raca Grappa wird aus Pressrückständen des Gruner Veltliner gewonnen, zweifach destilliert und ungelagert abgefüllt, um die frische Frucht zu erhalten. Als lokale Besonderheit stellen die Weinmacher auch eine Weinhefe-Bärenklau-Maische als experimentellen Brand für Verkostungsveranstaltungen her.

9. Destilat Skalica, Skalica

Skalica, eine historische Stadt nahe der tschechischen Grenze im Nordwesten der Slowakei, hat eine eigene Schnaps-Tradition, die stark von mährischen Einflüssen geprägt ist. Die Destilat Skalica-Kooperative, gegründet in den 1980er Jahren als landwirtschaftliche Genossenschaft, produziert Slivovitz aus alten slowakischen Zwetschgensorten sowie einen Aprikosenbrand aus Früchten der Kleinkarpaten-Hänge. Beide Produkte werden in traditionellen Kupfer-Pot-Stills doppelt destilliert und ohne moderne Filtration abgefüllt – ein bewusst puristische Ansatz.

10. Cerveny Rybiz, Kosice

In Kosice, der ostslowakischen Metropole und Kulturhauptstadt 2013, hat sich Cerveny Rybiz (Rote Johannisbeere) als Boutique-Destillerie auf Beeren-Schnäpse und Liköre aus Karpaten-Waldfrüchten spezialisiert. Neben roten und schwarzen Johannisbeeren verarbeitet die Destillerie Heidelbeeren, Preiselbeeren und Sloe-Beeren aus handwerklicher Sammlung in den ostslowakischen Bergwäldern. Alle Destillate werden kalt mazeriert, um die fruchtigen Ester zu schonen, bevor eine einstufige Destillation in kleinen Kupferkesseln erfolgt.

Die slowakische Brennereikultur im Aufwind

Die Slowakei steht nicht im internationalen Rampenlicht, wenn es um Spirituosen geht – doch wer genauer hinschaut, findet eine lebendige Brennereitradition mit authentischen regionalen Produkten. Borovicka und Slivovitz erzählen die Geschichte des karpatischen Alltags, während eine neue Generation von Craft-Brennern zeigt, dass slowakische Rohstoffe und slowakisches Handwerk international mithalten können.