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Starward: Melbournes gefeierte Whisky-Destillerie im Porträt

Als David Vitale 2007 Starward in Melbourne gründete, war australischer Whisky außerhalb der Insel praktisch unbekannt. Tasmanien hatte mit Sullivan's Cove und Lark bereits begonnen, internationale Aufmerksamkeit zu erregen, aber das Festland war auf der globalen Whisky-Landkarte nicht verzeichnet. Vitales Idee war einfach und radikal zugleich: Whisky zu produzieren, der unverkennbar australisch schmeckt, nicht wie eine Nachahmung schottischer Stile, sondern als eigenständige Spirituose, die die Rohstoffe und Bedingungen Australiens ausdrückt.

Der entscheidende Produktionsentscheid war die Wahl der Fässer. Starward reift seinen Whisky ausschließlich in Apera-Fässern (australischer Sherry) und in Fässern von australischen Rotweindestillerien aus Victoria, der Weinbauregion, zu der Melbourne gehört. Barossa-Shiraz, Yarra-Valley-Pinot-Noir und andere australische Rotweinsorten hinterlassen im Holz Aromen, die sich während der Reifung auf das Destillat übertragen. Das Ergebnis ist ein Whisky mit einem charakteristischen roten Fruchtprofil, das ihn sofort von schottischen, irischen oder amerikanischen Stilen unterscheidet.

Melbourne als Produktionsstandort

Melbourne hat ein deutlich wärmeres Klima als die schottischen Highlands oder die irische Westküste. Die Sommer sind heiß, die Winter mild. Diese Bedingungen beschleunigen die Reifung erheblich: Während ein schottischer Single Malt typischerweise zehn bis zwölf Jahre benötigt, um volle Komplexität zu entwickeln, erreicht Starward-Whisky nach drei bis vier Jahren ein reifes, ausgewogenes Profil.

Diese Beschleunigung durch Wärme ist ein Muster, das Destillerien in tropischen und subtropischen Regionen weltweit nutzen, von Kavalan in Taiwan bis zu Amrut in Bangalore. Sie ermöglicht jüngeren Destillerien, in kürzerer Zeit qualitativ hochwertige Produkte auf den Markt zu bringen, und erlaubt höhere Turnaround-Geschwindigkeiten für das investierte Kapital. Der Nachteil ist ein höherer Angels' Share: In Melbourne verdunstet mehr aus dem Fass pro Jahr als in Schottland, was die verfügbare Menge des gereiften Whiskys reduziert.

Produktionsweise

Starward verwendet ausschließlich australische Gerste, die auf dem Kontinent angebaut und gemälzt wird. Das Wasser stammt aus der städtischen Wasserversorgung Melbournes, die aus dem Einzugsgebiet der Great Dividing Range gespeist wird. Die Destillation erfolgt in Pot Stills mit einer nachgeschalteten Kolonnenstufe, was ein leichteres, fruchtigeres Destillat erzeugt als traditionelle reine Pot-Still-Destillation.

Die Fässer werden ausschließlich von australischen Weingütern bezogen. Starward hat langfristige Partnerschaften mit verschiedenen Produzenten im Barossa Valley und Yarra Valley aufgebaut. Die Fässer kommen direkt von der Weinfüllung zur Destillerie, sind also noch feucht mit Wein, wenn der Whisky hineingefüllt wird. Dieser direkte Transfer maximiert den Weineinfluß auf das Destillat.

Die Produktpalette

Starward Nova ist das Flaggschiff: ein Single-Malt-Whisky auf 41 Prozent Alkohol, gereift ausschließlich in australischen Rotweinfässern. Das Geschmacksprofil ist sofort erkennbar: rote Beerenfrüchte, etwas Kirsche und Pflaume, Vanille und milde Schokolade. Die Textur ist relativ voll und rund. Nova ist der meistverkaufte australische Whisky in internationalen Märkten.

Starward Two-Fold ist ein Blended Whisky, der Malt und Grain Whisky kombiniert und auf 40 Prozent abgefüllt wird. Er ist preisgünstiger als Nova und richtet sich an Konsumenten, die Whisky als Cocktailbasis oder mit Eis konsumieren. Starward Solera reift in Apera-Fässern (australischem Sherry) und zeigt einen üppigeren, süßeren Stil mit Dörrfruchtnoten.

Starward Fortis ist eine jährliche Batch-Abfüllung auf Fassstärke, die verschiedene Fasstypen aus dem Portfolio der Destillerie kombiniert. Diese Abfüllungen sind limitiert und werden von Sammlern verfolgt.

Internationale Anerkennung

Starward hat seit etwa 2015 international an Sichtbarkeit gewonnen. Jim Meehan, der einflussreiche New Yorker Bartrender und Buchautor, zählte Starward zu den interessantesten neuen Whisky-Destillerien weltweit. Verschiedene Fachpublikationen vergaben mehrfach Goldmedaillen an Nova und Fortis.

In den USA, wo Starward seit einigen Jahren vertrieben wird, hat die Marke besonders in Cocktailbar-Kreisen Aufmerksamkeit gefunden. Bartender schätzen das rote Fruchtprofil, weil es Cocktails eine Komplexität verleiht, die andere Whiskys so nicht bieten. Nova im Whisky Sour oder einem einfachen Stirred-Cocktail mit süßem Wermut liefert ein Ergebnis, das anders ist als jeder schottische oder amerikanische Whisky in derselben Rezeptur.

Australiens wachsende Whisky-Landschaft

Starward ist heute nicht mehr allein. Die australische Whiskyindustrie hat in den vergangenen zehn Jahren eine bemerkenswerte Expansion erlebt. In Tasmanien produzieren Lark Distillery, Sullivan's Cove, Nant und Hellyers Road hochwertige Single Malts. Auf dem Festland sind Archie Rose in Sydney, William McHenry and Sons auf dem Kap der Tasmanischen Halbinsel und Timboon Railway Shed Distillery in Victoria weitere nennenswerte Produzenten.

Diese Diversifizierung spiegelt sich auch in internationalen Tasting-Veranstaltungen wider, wo australische Whiskys zunehmend in höhere Kategorien vordringen. Sullivan's Cove French Oak Single Cask gewann 2014 den World Whisky Award in der Kategorie bester Single Malt, was Australien auf einen Schlag als ernstzunehmende Whiskyregion etablierte.

Wer australische Destillerien auf einer Karte erkunden oder gezielt nach Reisezielen in Melbourne, Sydney oder Tasmanien suchen möchte, findet auf der Destillerieübersicht eine aktuelle Übersicht aller registrierten australischen Brennereien und ihrer Besuchsmöglichkeiten.