Die 10 besten Destillerien in Serbien
Serbien produziert mehr Pflaumen pro Kopf als jedes andere Land der Welt, und diese Tatsache ist kein Zufall: Die Zwetschge ist seit Jahrhunderten das Herzstück der serbischen Landwirtschaft und der serbischen Brenntradition. Slivovitz – auf Serbisch Sljivovica – ist weit mehr als eine Spirituose. Er ist ein kulturelles Zeichen der Gastfreundschaft, ein medizinisches Hausmittel und ein ritueller Begleiter von Geburten, Hochzeiten und Beerdigungen. Serbien hat die geografische Bezeichnung Sljivovica sogar bei der EU als geschützte Ursprungsbezeichnung angemeldet.
Neben dem omnipräsenten Slivovitz entwickelt sich in Serbien eine wachsende Szene von Craft-Brennereien, die andere Obstsorten – Birne, Quitte, Kirsche, Aprikose – zu hochwertigen Destillaten verarbeiten. Auch Gin und Whisky-Experimente tauchen in urbanen Brennereien in Belgrad auf. Für eine Übersicht aller serbischen Betriebe nutzen Sie die interaktive Karte.
1. Prolom Alkohol, Kursumlija
Prolom Alkohol in Kursumlija ist eine der renommiertesten Destillerien Serbiens und produziert seit den 1960er Jahren Slivovitz, Weinbrand und Fruchtschnaps für den Inlands- und Exportmarkt. Das Unternehmen ist für seinen Prolom-Slivovitz bekannt, der aus ausschließlich serbischen Pozegaca-Zwetschgen zweifach destilliert und mindestens drei Jahre in Eichenholzfässern gereift wird. Die Anlage liegt in der Nähe der gleichnamigen Mineralquelle, deren weiches Wasser auch für die Verdünnung der Destillate verwendet wird.
2. Rubin, Krusevac
Rubin in Krusevac ist einer der größten serbischen Wein- und Spirituosenproduzenten und seit 1954 im Betrieb. Ihre Slivovitz-Linie reicht von jungen Weißbränden für den Haushaltsmarkt bis zu 10-jährigen Reserveabfüllungen in kleinen Eichenfässern. Rubin produziert außerdem Weinbrand aus lokalen Rebsorten, darunter der autochthone Prokupac, der in der Zupa-Region südlich von Krusevac angebaut wird. Das Unternehmen betreibt ein Besucherzentrum, in dem die gesamte Produktionskette von der Pflaumenlese bis zur Abfüllung erklärt wird.
3. Zaric Distillery, Loznica
Die Zaric-Destillerie im Westen Serbiens nahe Loznica ist ein Familienunternehmen, das seit 1923 in dritter Generation betrieben wird. Besonderes Merkmal ist die Spezialisierung auf alte Edelzwetschgensorten, die in den Hängen der Cer-Gebirgskette gesammelt werden, wo die Früchte langsamer reifen als in den Tälern und dadurch mehr Aromakomplexität entwickeln. Zaric produziert in kleinen Chargen von maximal 500 Litern und vermarktet seine limitierten Abfüllungen direkt ab Hof sowie über ausgesuchte Fachhändler in Wien und Frankfurt.
4. Badel 1862 (serbische Partner), Belgrad
Obwohl Badel als kroatisches Unternehmen bekannt ist, hat das Unternehmen historisch enge Produktionsverbindungen zu serbischen Lieferanten für seine serbischen Exportmarkte unterhalten. In Belgrad selbst gibt es mehrere mittelgroße Destillerien, die für Badel und ähnliche regionale Konzerne Slivovitz und Vocarke produzieren. Diese Kooperationsmodelle prägen das Bild der serbischen Gebrauchsspirituosen-Produktion: Viele mittelgroße Betriebe arbeiten als Zulieferer für größere Markeninhaber.
5. Aleksandrovac Destillery, Aleksandrovac
Im Herz der Zupa-Weinregion liegt die Destillerie von Aleksandrovac, die sich auf die Kombination von Weinbrand und Slivovitz spezialisiert hat. Der lokale Prokupac-Weinbrand aus acht Jahre in serbischen Eichenholzfässern gereiften Destillaten wird von Kennern als einer der originellsten Weinstammbrände des westlichen Balkans betrachtet. Neben dem Weinbrand produziert Aleksandrovac einen Birnen-Williams-Schnaps aus Bergbirnen der Jastrebac-Gebirgskette, der bei internationalen Obstschnaps-Bewerben wiederholt ausgezeichnet wurde.
6. Vinarija Radovanovic, Topola
Vinarija Radovanovic auf dem Weingut Radovanovic nahe Topola, dem historischen Fürstenstädtchen der Karadjordjevic-Dynastie, ist vor allem als Weingut bekannt, betreibt aber eine bemerkenswerte Nebendestillerie. Ihr Marc-Brand aus Cabernet-Sauvignon- und Merlot-Trester – hier als Komovica bezeichnet – wird zweifach in kupfernen Pot-Stills destilliert und kurz in neuen Eichenholzfässern gelagert. Radovanovic hat auch einen Quittenschnaps im Sortiment, Dunjovaca, der in Serbien als seltene Delikatesse gilt.
7. Stara Sokolova, Pirot
In der alten Handwerkerstadt Pirot im Osten Serbiens, bekannt für ihre traditionellen Wolle-Kilims, betreibt die Familie Stankovic die Brennerei Stara Sokolova (Alter Falke). Ihr Slivovitz wird ausschließlich aus lokal geernteten Wildpflaumen aus den Wäldern des Suva-Planina-Gebirges hergestellt, die eine deutlich herber-adstringierende Note als cultivierte Sorten aufweisen. Die Destillation erfolgt in einer alten kupfernen Feuerbrennapparatur aus dem Jahr 1932, die nie durch moderne Anlagen ersetzt wurde. Die Chargen sind entsprechend klein und die Produktion weitgehend saisonal.
8. Navip, Zemun
Navip, mit Sitz im Belgrader Stadtteil Zemun, ist ein traditionsreicher staatlicher Betrieb, der 1947 als Teil des Weinkombinats der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien gegründet wurde. Nach der Privatisierung in den frühen 2000er Jahren fokussierte sich Navip auf den Inlandsmarkt und produziert Slivovitz, Weinbrand und verschiedene Liköre unter eigenen Marken. Navip ist bekannt für seine preislich zugänglichen, gut kalibrieren Produkte für den Alltagskonsum – kein Premiumsegment, aber qualitativ zuverlässig.
9. Veljkovic Rakija, Vranje
Das Brennereibetrieb Veljkovic in Vranje im Süden Serbiens produziert die lokale Variante des Tresterschnapses, die in dieser Region als Komovica bezeichnet wird und aus Traubenrückständen der Macedonia-Grenzregion-Rebsorten stammt. Außerdem brennt Veljkovic Nis-Sljiva, eine spezielle Pflaumsorten-Selektion aus der Nisava-Tal-Region, und einen Birnen-Williams-Schnaps. Die Destillerie hat einen ausgeprägten regionalen Charakter und exportiert selten über die südlichen Balkanländer hinaus.
10. Sremska Mitrovica Craft Distillery
Diese 2018 gegründete Craft-Destillerie in Sremska Mitrovica, der antiken Römerstadt an der Save, repräsentiert die neue Generation serbischer Brenner. Gründer Milan Simic, ausgebildet in Österreich, produziert neben klassischem Slivovitz auch einen Serbisch-Wacholder-Gin mit Botanika aus der Syrmien-Ebene und experimentiert mit kleinen Whisky-Fässerungen aus lokaler Gerste. Die Destillerie ist in einem renovierten Jugendstil-Warehouse untergebracht und bietet regelmäßige Tasting-Events und Seminare zur serbischen Brennereigeschichte an.
Serbiens Slivovitz – globale Qualität aus lokaler Tradition
Serbischer Slivovitz ist von internationalen Spirituosen-Juroren zunehmend als einer der besten Obstbrände der Welt anerkannt worden. Die Kombination aus exzellenten Rohstoffen – alten Zwetschgensorten aus gut belüfteten Hanglagen – und traditioneller doppelter Destillation produziert Destillate von einzigartiger aromatischer Tiefe. Wer die serbische Brennereikultur wirklich verstehen will, sollte einen Herbst auf dem Balkan verbringen, wenn der Duft frisch gepresster Pflaumenmaische die Dörfer erfüllt.