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Die 10 besten Destillerien in Slowenien

Slowenien ist das wohl unterschätzteste Spirituosenland Europas. Das kleine Land zwischen Alpen, Adriatischem Meer und Pannonischer Tiefebene besitzt drei völlig unterschiedliche klimatische Zonen, aus denen drei unterschiedliche Rohmaterial-Welten erwachsen: Bergäpfel und -birnen aus den julischen Alpen, mediterrane Olivenöle und Zitrusfrüchte aus dem Karst, Trauben und Zwetschgen aus der Steiermark und dem Prekmurje. Slowenische Brenner haben alle diese Zutaten entdeckt und nutzen sie für Destillate von einzigartiger geographischer Spezifität.

Hinzu kommt eine handwerkliche Tradition, die von den österreichischen und deutschen Nachbarschaftseinflüssen geprägt ist: Sorgfalt in der Rohstoffauswahl, saubere Kupfer-Pot-Still-Destillation und Geduld bei der Reifung. Für alle eingetragenen slowenischen Brennereibetriebe bietet unsere Karte der Weltdestillerien eine vollständige Übersicht.

1. Mezek Distillery, Maribor

Mezek (Maultier) ist Sloweniens bekannteste Craft-Destillerie und wurde 2014 in Maribor, der zweitgrößten Stadt des Landes, von Rok Pezdirc gegründet. Mezek produziert Obstbrände aus steirischen Birnensorten, Äpfeln aus dem Dravsko Polje und Zwetschgen aus der Sava-Ebene. Besonderes Merkmal ist die Verwendung alter Obstsorten, die auf dem freien Markt kaum mehr erhältlich sind – Pezdirc arbeitet mit Hochstamm-Besitzern zusammen, die ihre Früchte gegen eine kostenlose Erstdestillation für den Eigengebrauch abtauschen. Mezeks Williams-Birnen-Brand hat mehrfach internationale Auszeichnungen erhalten.

2. Humar Distillery, Kranj

Die Familie Humar in Kranj in der Oberkrainer Region produziert seit 1952 Obstbrände mit Methoden, die über Generationen weitergegeben wurden. Ihr Schützling ist der Alpine-Pear-Brand aus alten Krainer Birnen, einer regional angepassten Sorte, die in der Umgebung der Julischen Alpen gedeiht. Humar destilliert zweifach in Kupfer-Pot-Stills ohne Dampfheizung – eine direkt befeuerte Anlage, die ein etwas rustikaleres Geschmacksprofil erzeugt als dampferhitzte Systeme. Die Familie gibt keine Führungen, verkauft aber direkt ab Hof an interessierte Besucher.

3. Kozel Distillery, Celje

In Celje, der alten Grafen-Residenzstadt in der Savinja-Region, betreibt die Genossenschaft Kozel eine mittelgroße Brennerei mit Schwerpunkt auf Slivovitz und Birnenschnaps aus der fruchtbaren Savinja-Ebene. Die Region um Celje ist für ihre Hopfenproduktion (Slowenischer Hopfen ist international hochgeachtet) bekannt, aber auch für ihr Obstbauklima. Kozel produziert außerdem einen Quittenschnaps aus alten Quittenpflanzungen, der durch seine ungewöhnliche bernsteinfarbene Tönung und seinen komplexen Tannin-Frucht-Kontrast auffällt.

4. Vigred Destillery, Vipava Valley

Das Vipava-Tal, eines der bedeutendsten Weinbaugebiete Sloweniens, beherbergt Vigred Destillery, die sich auf Traubentrester-Destillate aus dem regionalen Rebsortensortiment konzentriert. Sorten wie Zelen, Pinela und Malvasija Istriana – allesamt autochthone slowenische Rebsorten – liefern das Ausgangsmaterial für Vigreds Marc-Brand. Gegründet 2017 von Marta Sever, einer pensionierten Önologin, destilliert Vigred ausschließlich frischen, nicht getrockneten Trester – ein Merkmal, das dem Brand eine lebhaftere Frische als getrocknete Marc-Varianten verleiht.

5. Kmetija Vrisk, Dolenjska

Kmetija Vrisk ist ein Landwirtschaftsbetrieb in der Dolenjska-Region (Niederkrain) mit eigener Brennerei, die Slivovitz aus slowakischen und lokalen Zwetschgensorten sowie Apfel- und Birnenbrand aus eigenem Baumbestand produziert. Besonderes Merkmal ist die Nutzung der lokalen Sorte Crnce – eine urslowenische Pflaumensorte, die außerhalb von Dolenjska kaum bekannt ist, aber ein ungewöhnlich intensiv-rustikales Destillat ergibt. Kmetija Vrisk vermarktet seine Produkte hauptsächlich über den Direktverkauf und Bauernmärkte in Ljubljana.

6. Gin Sul Ljubljana, Ljubljana

Gin Sul Ljubljana (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Gin Sul aus Hamburg) ist eine 2019 gegründete Boutique-Destillerie in der slowenischen Hauptstadt. Ihr Ljubljana Dry Gin enthält Botanika aus dem Triglav-Nationalpark, darunter Enzian, Bergmajoran und Zirbelkiefernzapfen, kombiniert mit Wacholder aus dem Karst und Zitronenschale aus dem Istrischen Littoral. Die Destillerie ist in einem umgebauten Taborerhof-Gebäude untergebracht und bietet wöchentliche Gin-Seminare für Besucher an.

7. Linhart Spirits, Radovljica

Radovljica, die historische Bischofsstadt am Fuß der Karawanken, beheimatet Linhart Spirits, eine Kleinstbrennerei, die sich auf Honig-Destillate spezialisiert hat. Ihr Hauptprodukt ist Medeno Zito – ein Honigschnaps aus Bienenhonig slowenischer Imkereien aus der Gorenjska-Region, doppelt destilliert und sechs Monate in kleinen Akazienfässern gereift. Slowenien gehört zu den Ländern mit der höchsten Imkerdichte Europas pro Kopf; die Tradition des Honigbrands knüpft an uralte Methodik aus der Imkerkultur des Landes an.

8. Pule Winery and Distillery, Primorska

Pule Winery in der Primorska-Region an der slowenisch-italienischen Grenze produziert Wein aus autochthonen Rebsorten und destilliert daraus einen Tresterbrand, der mit Karst-Kräutern verfeinert wird. Ihr Karst-Marc enthält Rosmarin, Lavendel und Cistus aus den krautigen Trockenweiden des Karstes, die nach der zweiten Destillation in kleinen Mengen als Botanika-Infusion zugegeben werden. Der Wein-Brennerei-Verbund ist ein typisches Modell für slowenische Winzerbetriebe in der mediterranen Zone des Landes.

9. Distillery Prekmurje, Murska Sobota

Das Prekmurje, Sloweniens pannonischer Zipfel im Nordosten, grenzt an Ungarn und Kroatien und teilt deren landwirtschaftliche Puszta-Tradition. Die Destillery Prekmurje in Murska Sobota verarbeitet Mais, Roggen und Sonnenblumensamen aus lokaler Ernte zu einem eigenständigen Getreidebrand, der zwischen Wodka und osteuropäischem Korn liegt. Außerdem produziert der Betrieb Palinka-inspirierte Schnäpse aus ungarischen Aprikosen- und Pfirsichsorten, die jenseits der Grenze geerntet werden – ein grenzüberschreitendes Kulturgut.

10. Whisky Slovenia, Koper

In Koper an der Adriaküste hat sich 2021 eine erste slowenische Whisky-Destillerie etabliert, die mit importierter schottischer Gerste und slowenischem Quellwasser aus dem Karst einen Single-Malt produziert. Gründer Andrej Golicnik hat seine Ausbildung bei Bruichladdich auf Islay absolviert und bringt schottische Brennereitechnik in den slowenischen Kontext. Die Whisky-Fässer werden in mediterranem Klima gereift, was eine deutlich beschleunigte Entwicklung der Holzaromen im Vergleich zu schottischen Bedingungen erzeugt. Erste drei- und fünfjährige Abfüllungen sind seit 2024 auf dem Markt.

Slowenien: Wo Alpen, Adria und Pannonien die Gläser füllen

Sloweniens Stärke liegt in seiner Vielfalt. Kaum ein anderes Land dieser Größe bietet so unterschiedliche Klimazonen und Rohstoffquellen für Destillateure. Die Kombination aus alpiner Handwerkstradition, mediterranem Botanical-Reichtum und pannonischer Getreidebasis schafft Möglichkeiten, die Brenner des Landes gerade erst zu erschließen beginnen. Slowenische Obstbrände und Gin zählen zu den aufregendsten Entdeckungen der europäischen Craft-Spirits-Szene.