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Die 10 besten Destillerien in Singapur

Singapur hat eine der jüngsten und dynamischsten Craft-Destillationsszenen Asiens. Erst 2013 änderte die Stadtstaatregierung ihre Lizenzpolitik und ermöglichte kleinen Brennereien die legale Produktion und den Verkauf eigener Spirituosen. Seitdem ist eine Handvoll ambitionierter Unternehmen entstanden, die Singapurs Lage am Schnittpunkt asiatischer Aromawelten nutzen: Tropische Früchte, Kräuter aus der traditionellen chinesischen Medizin, Pandan, Lemongrass, Butterfly Pea Flower und Kaffir-Limette finden sich in Singapurer Destillaten wieder.

Die Größe des Stadtstaates schränkt die Zahl der Brennereien naturgemäß ein – Singapur hat keine ländlichen Anbauflächen für Getreide oder Obst – aber die Kreativität und technische Präzision der Betriebe ist bemerkenswert hoch. Alle wichtigen Singapurer Destillerien finden sich auf der Weltdestilleriekarte.

1. Brass Lion Distillery, Singapur

Die 2018 gegründete Brass Lion Distillery ist einer der bekanntesten Namen in der Singapurer Gin-Szene. Gründerin Jamie Koh hat ein Rezept entwickelt, das klassische Wacholder-Botanik mit tropischen und ostasiatischen Elementen verbindet: Pandan-Blätter, Kaffir-Limettenschale, frischer Ingwer, Lemongrass und Chrysanthemenblüten spielen neben traditionellen Juniper, Koriander und Angelika-Wurzel eine Rolle. Destilliert wird in einem kleinen Arnold-Holstein-Still; das Wasser stammt aus Singapurs zertifiziertem Aufbereitungssystem, das für seine konstante Qualität bekannt ist.

2. The Singapore Distillery, Singapur

The Singapore Distillery, 2019 eröffnet, positioniert sich als Hüter der lokalen Geschmackskultur. Ihr Founders' Gin ist mit Butterfly Pea Flower aromatisiert, die dem Destillat eine blaue Farbe verleiht, welche sich bei Zugabe von saurem Tonic Water zu Lila wandelt. Daneben produziert die Destillerie einen Mandarin-Gin aus singapurischen Zitrusfrüchten sowie einen Navy Strength Gin mit erhöhtem Alkoholgehalt von 57 Prozent. Die Destillerie ist in einem der Shophouse-Viertel des Tiong-Bahru-Quartiers untergebracht.

3. Compendium, Singapur

Compendium Distillers wurde 2020 gegründet und ist einer der experimentierfreudigsten Betriebe des Stadtstaates. Das Unternehmen produziert keine einzelne Markenware, sondern ein ständig wechselndes Portfolio saisonaler und limitierter Releases, bei denen neue Botanika und Destillationsverfahren erprobt werden. Vergangene Editionen umfassten einen Rosenholz-Gin aus brasilianischem Öl, einen Sake-Hefe-Gin und einen Rum aus importiertem kubanischem Rohrzucker, der in Singapur gereift wird. Compendium betreibt ein kleines Tasting Lab im Keong Saik Road-Viertel.

4. Tanglin Gin, Singapur

Tanglin Gin, benannt nach dem historischen Tanglin-Quartier, ist einer der ersten Singapurer Premium-Gins, der gezielt für internationale Märkte produziert wurde. Das Originalrezept umfasst über 28 Botanika, darunter Rohrzucker aus Südostasien, Kalamansi-Schale, Sarawak-Pfeffer aus dem malaysischen Borneo und getrocknete Rambutan. Die Destillerie nutzt einen 300-Liter-Kupferstill und produziert in Kleinstchargen, die manuell in Flaschen mit handgefertigten Etiketten abgefüllt werden. Tanglin Gin hat mehrfach bei den Asia Gin Awards Auszeichnungen erhalten.

5. Slingshot, Singapur

Slingshot Distillery wurde nach dem Singapore Sling, dem weltberühmten Cocktail des Raffles Hotel, benannt und produziert Spirituosen, die explizit für die lokale Cocktailkultur konzipiert sind. Ihr Kernprodukt ist ein Singapore Sling Spirit Blend, der alle Aromenkomponenten des klassischen Cocktails – Kirsch, Benediktumslikör-Kräuter, frische Ananas – als fertige Spirituose vereint. Daneben produziert Slingshot einen botanischen Gin und einen Rum aus philippinischem Rohrzucker. Die Destillerie liegt im Clarke Quay-Viertel, wenige Meter vom Raffles Long Bar entfernt.

6. Ah Lam Distillery, Singapur

Ah Lam Distillery verbindet die Tradition der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) mit moderner Destillationstechnik. Gründer Lee Ah Lam, Apotheker und begeisterter Hobbybrenner, hat Rezepturen entwickelt, die auf historischen Kräuterformularen der Straits-Chinese-Gemeinschaft basieren. Sein Baijiu-inspirierter Hausbrand aus Klebreisferment und sein Wermut-ähnlicher Botanikschnaps aus TCM-Kräutern wie Dang Gui (Engelwurz), Gou Qi Zi (Wolfbeere) und Huang Qi (Astragalus) sind Nischenprodukte mit treuer lokaler Anhängerschaft.

7. Grids and Circles, Singapur

Diese 2021 gegründete Destillerie fokussiert sich auf Rum-Produktion aus Melasse und frischem Rohrzuckersaft, der aus Malaysia und Thailand importiert wird. Gründer Francis Chang hat in Barbados und Jamaika Rum-Erfahrungen gesammelt und bringt diese in seine singapurische Produktion ein. Sein leichter White Rum und ein goldener Rum nach französisch-kreolischer Agricole-Methode zeigen, wie tropisches Destillat auch ohne eigene Zuckerrohrfelder authentisch produziert werden kann. Grids and Circles bietet monatliche Brennerei-Sessions für Enthusiasten an.

8. Dram Tang, Singapur

Dram Tang ist eine Mikrodestillerie, die sich auf die Kombination von westlicher Whisky-Tradition und asiatischen Reifeeinflüssen spezialisiert hat. Da Singapur keine eigene Gerstenproduktion hat, importiert Dram Tang schottischen und amerikanischen New Make Spirit, reift diesen aber in lokalen Fässern, die zuvor mit Baijiu oder Sake-Hefe in Berührung waren. Das Ergebnis ist ein singapurisch gereifter Whisky, der die tropische Klimaentwicklung – mit weit beschleunigter Reifung durch hohe Temperaturen – als Qualitätsmerkmal versteht.

9. Proof and Company Distillery Hub, Singapur

Proof and Company ist primär ein regionales Spirituosen-Importeur und Barkulturpartner, hat aber seit 2019 eine eigene Mikrobrennerei betrieben, in der Bartender-Kollaborationen und Kleinstchargenproduktionen durchgeführt werden. Im Proof Lab entstehen regelmäßig experimentelle Destillate, die ausschließlich über ausgewählte Singapurer Bars vermarktet werden. Das Lab hat Gin, Mezcal-Inspirierte Agavendestillate und einen Sake-Gin-Hybrid produziert. Proof and Company ist eine treibende Kraft der singapurischen Cocktailkultur.

10. Four Pillars at Atlas Bar Collaboration, Singapur

Das australische Gin-Unternehmen Four Pillars hat mit der Singapurer Atlas Bar – einem der renommiertesten Gin-Etablissements der Welt mit über 1.000 Ginflaschen in der Sammlung – eine Zusammenarbeit für lokale Sonderabfüllungen etabliert. Diese Singapore-exklusiven Four-Pillars-Editionen werden mit Botanika der malaiischen Halbinsel gebrannt und nur am Atlas-Tresen ausgeschenkt oder als limitierter Hotelexklusiv verkauft. Die Kooperation zeigt, wie internationale Marken und lokale Hospitality-Expertise innovative Produkte schaffen können.

Singapurs Destillationsszene: jung, global, tropisch

Singapur beweist, dass man keine Jahrhunderte alte Brenntradition braucht, um bedeutende Spirituosen zu schaffen. Was die singapurische Szene auszeichnet, ist ihre Bereitschaft, Grenzen zu überbrücken – zwischen asiatischer Kräuterheilkunde und europäischer Gin-Tradition, zwischen karibischem Rum und südostasiatischem Rohrzucker, zwischen japanischer Raffinesse und tropischer Fruchtigkeit. In dieser kleinen Stadt-Nation entsteht etwas Neues: ein spezifisch singapurischer Destillationsstil.