Yamazaki: Tiefenporträt der ältesten Single-Malt-Brennerei Japans
Yamazaki liegt am Zusammenfluss dreier Flüsse — Katsura, Uji und Kizu — in der gleichnamigen Stadt am Südrand Kyotos. Der Ort ist seit dem achten Jahrhundert für sein Quellwasser berühmt, das in der japanischen Teezeremonie seit über tausend Jahren verehrt wird. 1923 wählte Shinjiro Torii, Gründer der heutigen Firma Suntory, genau diese Stelle, um Japans erste Malt-Whisky-Destillerie zu errichten. Hundert Jahre später ist Yamazaki das Fundament der japanischen Whiskytradition und international eine der meistprämierten Malt-Marken überhaupt.
Das Wasser
Die entscheidende Wahl war das Wasser. Die Quellen von Yamazaki liefern ein ungewöhnlich weiches, mineralarmes Wasser, das für die Whiskydestillation in ähnlicher Weise geeignet ist wie die berühmten schottischen Whiskywässer. Der Zusammenfluss der drei Flüsse sorgt zugleich für anhaltende Luftfeuchte und Nebel — Bedingungen, von denen Torii überzeugt war, dass sie die Reifung in den nahe gelegenen Lagerhäusern verlangsamen und vertiefen würden.
Die Brennblasen
Yamazaki betreibt einen ungewöhnlich großen und vielfältigen Brennblasenpark — Pot Stills in vielen Formen und Größen. Hohe schmale Blasen erzeugen leichten, parfümierten Brand, kurze gedrungene Blasen schweren, öligen. Indem die Suntory-Blender Komponenten aus unterschiedlichen Brennblasenformen kombinieren, lassen sich Single-Distillery-Abfüllungen von bemerkenswerter Komplexität bauen, ganz ohne externes Material.
Mizunara-Eiche
Yamazaki war die erste Brennerei, die Whisky systematisch in Mizunara — der japanischen Eiche Quercus mongolica var. crispula — reifen ließ. Das Holz ist undicht, wächst langsam und ist schwer zu bearbeiten, doch es überträgt unverwechselbare Noten von Sandelholz, Kokos und Räucherwerk, die heute als Signatur des hochwertigen japanischen Whiskys gelten. Die Yamazaki Mizunara Cask-Abfüllungen gehören zu den weltweit begehrtesten Whiskyflaschen.
Die Kernrange
Der Yamazaki 12 Jahre, das weltweite Flaggschiff, war Japans erster international prämierter Single Malt und ist bis heute die klassische Einführung in den japanischen Whisky. Darüber stehen der 18 Jahre, der 25 Jahre und der äußerst rare 55 Jahre. Die Yamazaki Distiller's Reserve ohne Altersangabe ist eine jüngere Abfüllung mit verschiedenen Fasstypen und dient in Märkten mit geringer Verfügbarkeit als Einstieg.
Die Knappheit
Die Nachfrage nach Yamazaki übersteigt seit Jahren das Angebot. Der 12 Jahre ist in vielen Märkten kontingentiert, der 18 Jahre zeitweise im Handel praktisch nicht zu finden. Kapazitätsausbauten der letzten Jahre holen langsam auf, doch die älteren Abfüllungen werden auf Jahre hinaus knapp bleiben.
Besuch in Yamazaki
Die Brennerei ist mit dem JR-Zug zwanzig Minuten von Kyoto entfernt und einer der meistbesuchten Whiskyorte Japans. Das Besucherzentrum, das Stammhaus von 1923 im Art-déco-Stil und die Yamazaki Whisky Library — mit tausenden kleinen Probefläschchen vergangener Produktionen — machen den Besuch zum Pflichtpunkt jeder Whiskyreise in Japan. Die Karte zeigt die Verbreitung der japanischen Brennereien; Yamazaki ist der historische Ausgangspunkt.